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"Liebe
verdient Respekt".

Die Kriminal-
polizei rät: "Liebe verdient Respekt". Unter dieser Parole machen
das Landes-
kriminalamt Nordrhein- Westfalen und der Lesben-
und Schwulenverband NRW seit 1996 in einer Öffentlichkeitskampagne
gemeinsam mobil gegen antihomosexuelle
Gewalttaten. Durch die Auseinandersetzung mit schwulen- und
lesbenfeindlichen Einstellungen sollen die Wurzeln der Gewalt angegangen
werden. Daher übernahm die Polizei die ungewohnte Rolle des "Liebesbotschafters".
Ein erstaunlicher Wandel! Vor gar nicht so langer Zeit war es noch
Aufgabe der Polizei, Homosexuelle aufzuspüren und vor Gericht zu
bringen. Damals galt homosexuelle Liebe noch als Verbrechen. Heute
meint die NRW-Polizei: Homosexuelle nehmen "die Rechte in Anspruch,
die jeder andere für seine Lebensgestaltung auch in An-spruch nimmt:
das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, auf Freiheit,
auf körperliche Unversehrtheit und auf sexuelle Selbstbestimmung."
Landesweit hat die Polizei ein Faltblatt verteilt, worin sie Bürgerinnen
und Bürger auffordert:
Setzen
Sie sich mit Vorurteilen
gegenüber Schwulen und ihrer Lebensweise auseinander!
Treten Sie Diskriminierungen
entgegen!
Akzeptieren Sie gleichgeschlechtliche Lebensformen!
Das
kann man voll und ganz unterschreiben. Die Polizei steht keineswegs
alleine. Auch Jugendvereinigungen, Wohlfahrtsverbände und Gewerkschaften
wenden sich gegen die Diskriminierung
von Lesben und Schwulen. Andere Verbände, Wirtschaft und Politik
sollten sich daran ein Beispiel nehmen.
GLEICHE
RECHTE VERWIRKLICHEN 
Das
Europäische Parlament hat bereits 1994 eine richtungsweisende Entschließung
zur Gleichberechtigung
von Schwulen und Lesben in der Europäischen Union gefaßt. Das Europaparlament
betonte darin "seine Überzeugung, daß alle Bürgerinnen und Bürger
ohne Ansehen ihrer sexuellen Orientierung gleichbehandelt werden
müssen". Es forderte "die Beseitigung jeglicher rechtlichen Ungleichbehandlung
aufgrund der sexuellen Anlage".
Hier
ist in der Bundesrepublik noch viel zu tun: Wir brauchen die rechtliche
Anerkennung und Gleichstellung homosexueller
Lebensgemeinschaften. Ebenso notwendig ist ein Antidiskriminierungsgesetz.
Es soll für Schwule und Lesben gleiches
Recht in der Gesellschaft schaffen und klarstellen: Ungleichbehandlung
aufgrund der sexuellen Identität ist in allen Lebensbereichen unzulässig.
UND WENN IHR KIND SO WÄRE?
Für
viele Eltern bedeutet die Nachricht, daß ihr Sohn schwul oder ihre
Tochter lesbisch ist, einen schweren Schock. Sie sehen sich in ihren
Erwartungen enttäuscht, machen sich Vorwürfe, haben Angst vor dem
Gerede der Nachbarn und sorgen sich vor allem um die Zukunft ihres
Kindes.
Meist wissen die Eltern kaum etwas über Homosexualität.
Nachdem sie sich besser informiert und mit der neuen Situation auseinandergesetzt
haben, akzeptieren sie nach einiger Zeit mehrheitlich die sexuelle
Orientierung ihres Kindes. Müttern fällt das in der Regel bei ihren
Söhnen etwas leichter, Vätern bei ihren Töchtern. Zählen können
Schwule und Lesben meist auf ihre Geschwister. Zwei Drittel akzeptieren
die sexuelle Orientierung ihres Bruders oder ihrer Schwester. Für
Schwule und Lesben bringt das Coming-out
oft eine gewisse Distanzierung von der Herkunftsfamilie. Meist dauert
diese Phase aber nur wenige Jahre, dann folgt eine Wiederannäherung.
Früher
kam es im Zusammenhang mit Homosexualität
häufig zu regelrechten Familientragödien. Homosexuelle Kinder wurden
" verstoßen" und enterbt. Heute solidarisieren sich viele Mütter
und Väter mit ihren homosexuellen Kindern. In speziellen Elterngruppen
und im "Bundesverband
der Eltern, Freunde und Angehörigen von Homosexuellen" kämpfen
sie gegen Diskriminierung
und für gleiche Rechte für ihre Kinder.
GEGEN
VORURTEILE ANGEHEN
In
Schule, Jugendarbeit und Erwachsenenbildung muß über Homosexualität
und schwullesbische Lebensweisen angemessen informiert werden, um
damit eine vorurteilsfreie Einstellung gegenüber Lesben und Schwulen
zu vermitteln und Homosexuellenfeindlichkeit
entgegenzutreten.
Jeder
hat das Recht auf eine eigene Meinung. Das gilt selbstverständlich
auch beim Thema Homosexualität.
Niemand verlangt, daß jeder Mensch Lesben und Schwule mögen muß. Was
man aber verlangen kann, ist Respekt für schwule und lesbische Liebe.
Anfeindungen, Diskriminierung
und Ausgrenzung passen nicht in eine demokratische Gesellschaft. Das
Ziel muß daher sein, daß Homosexualität nicht mehr als Problemfall
angesehen wird, sondern vielmehr als Teil der gesellschaftlichen Normalität.
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